Gaza-Streifen

Ehefrauen haben‘s gut.

Sie brauchen nicht mit anderen Ehemännern über Politik zu sprechen. Schon gar nicht mit muslimischen Männern, unter deren Würde es ist, mit Frauen zu politisieren.

Da hat es Herr Schobermann mit seinem angeheirateten muslimischen Schwiegersohn, geboren in einem arabischen Land, nicht leicht.

Jedes Mal, bei einem Besuch, verwickelt Mustafa ihn in Gespräche über den Propheten Mohammed und über die erklärten Feinde des Islam, nämlich Israel, Amerika und Deutschland, wobei sein Unmut sicherlich auf die Gründung des Staates Israel und den Verlust der „Westbank“ für die Palästinenser zurück zu  führen ist.

Meist endete das Gespräch in einem hitzigen Disput, weil Herr Schobermann klagend und hilflos ein um das andere Mal erklärte, er trage nicht die Schuld an der momentanen politischen Lage.

Schließlich hätte Deutschland den Krieg verloren, und England hätte damals Palästina als Mandatsgebiet besetzt und später aufgeteilt.

Jedoch richtet sich der Hass der Palästinenser nicht gegen das historische und auch zeitgemäße England, und schon gar nicht gegen Russland, Weißrussland und die UNO, sagte Mustafa.

Den Deutschen wirft er vor, Hitler hätte damals „einen Fehler gemacht“.

Während Herr Schobermann mit seinen angeheirateten Enkelinnen über die Schule spricht und ihnen erklärte, wie die Löcher in den Käse kommen, nämlich durch Pistolenschüsse, und die Mutter dieser Kinder still und ergeben ihre häuslichen Aufgaben erledigt, erschien im Bademantel der Hausherr.

Er, dessen Familie keinerlei Kontakt zu deutschen Familien hat, sieht sein „Opfer“ in Herrn Schobermann, um mal wieder auf jemanden einzureden.

Religion und Politik werden fein vermischt. Der Koran hat immer Recht, und die Lebensbedingungen in den arabischen Ländern seien besser als in der „westlichen Welt“.

Das Virus ist gottgewollt, die Twin Towers in New York seien von den Amerikanern selbst zerstört worden, die Amis waren nie auf dem Mond, man hätte dem Volk in den USA  nur etwas vorgegaukelt, und die anerkannte Wissenschaft des Darwinismus sei ein Irrglauben, der sich nicht mit den Lehren des Koran decke.

Friedrich der Zweite von Preußen, der das Schulwesen als Erster in der Welt eingeführt und den Kartoffelanbau als Erster in Europa befohlen und damit die Hungersnöte abgeschafft hat, sagte einmal: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden!“

Daran musste Herr Schobermann denken, als ihm immer wieder gesagt wurde, die Israelis hätten den Palästinensern im Gaza-Streifen den elektrischen Strom abgeschaltet.

In den Kühlschränken würden jetzt die Lebensmittel verderben.

Herr Schobermann war machtlos gegen diese Tiraden, die immer hitziger wurden.

Bis er die Geduld verlor und nicht mehr zuhören konnte, und die erschreckten Mädchen und die Ehefrau ganz still und betreten in sich zusammengesunken saßen.

Da verlor er die Gewalt über sich mit der Entgleisung seiner Worte: „Es ist mir sch…..egal, ob die Leute im Gaza-Streifen Strom haben oder nicht. Ich habe mit dem Gaza-Streifen überhaupt nichts zu tun!“

Er erhob sich, zog sich an und bedeutete seiner Ehefrau: „Wir fahren jetzt nach Hause!“

Wortlos fuhren sie mit Bussen und Bahnen zurück.

Zu Hause fing ein Streit zwischen den Schobermanns an, der im Wunsch der Ehefrau gipfelte: „Von nun an fahre ich allein nach Lüneburg, und du bleibst zu Hause! Ich halte eure ewigen Streitereien nicht mehr aus!“

Einen Tag noch war Funkstille im Hause, und inzwischen hat sich Herr Schobermann damit abgefunden, dass er nicht mehr mitfährt.

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