Freitag, der Dreizehnte

Ich bin abergläubisch, schon immer gewesen.

Daran wird sich, mit 86 Jahren, nichts mehr ändern.

Ich kannte Leute, die sind erst gar nicht zur Arbeit gegangen und haben sich krankgemeldet, weil sie beim Aufstehen zuerst mit dem rechten statt mit dem linken Fuß aus dem Bett den Boden berührten. Autofahrer sind umgekehrt, weil ihnen eine schwarze Katze von rechts statt von links über die Straße lief.

Mysteriöse, unerklärliche Fälle in meinem Leben haben meinen Aberglauben untermauert.

Dazu passte Murphys Gesetz, welches besagt, dass genau das passiert, was man sich im schlimmsten Fall ausmalt.

Das hat sich in meinem Leben immer wieder aufs Neue bewahrheitet.

 

Heute allerdings ist erst Montag. Der letzte Tag im Februar eines Nicht-Schaltjahres.

Es ist Montagmorgen, und die Woche nimmt und nimmt kein Ende! Der Tag fing gut an.

Ich wollte Abendgeschirr mit in die Küche nehmen und stolperte über die Teppichkante.

Der schönste Rosen-Teller und eine Kaffeetasse mit Bildern meines Enkels aus München entglitten meiner tauben, gefühllosen Hand und waren nur noch als Bruchstücke wertvoll. Man konnte allerdings noch die Gravur ihres Herstellers erkennen.

Der Wunsch, einen Restaurator zu bemühen, machte Platz für die Erinnerung, dass sich für heute Handwerker angemeldet hatten, denen ich – wie immer – zur Hand gehen muss mit Lappen, Eimern, Getränken, einer Trittleiter und der Unterschrift, dass ich beabsichtige, ihre Leistung auch zu bezahlen.

Beim Duschen hielt der Plastik-Eimer dem Druck des Duschsitzhockers nicht stand, obwohl oder weil ich vorher leichte Bedenken hatte, ob der Eimer nicht durch mein Körpergewicht zerquetscht werden könnte. Murphy hatte mal wieder Recht! Beim Überführen des Eimer-Fragmentes in die sichere Badewanne ergossen sich fünf Restliter auf die Matten des Fliesenbodens.

Alles an Handtüchern ging beim Aufsaugen drauf, nur weil ich Geizkragen der Umwelt und meinem Wasserbudget zuliebe Brauchwasser sparen wollte.

Nach dem Duschen klingelte das Telefon. Noch nicht abgetrocknet, ein ausgewrungenes nasses Handtuch in der Hand, bekam ich mit, dass der „Meister der Improvisation“ aus Hamburg, Isebek-kanal, sich mit Freundin bei meiner fürsorglichen hilfsbereiten Ehefrau zu Besuch angemeldet hatte, obwohl ich laut in den Hörer rief: „Ahmad ist hier und will mit dir über Putins Kriegsabsichten diskutieren!“

Mir war es Recht, denn ich möchte gern wissen, wie der Meister“ und Ahmad, mein angeheirateter Schwiegersohn, heute und morgen zu Besuch, über eine Corona-Impfung denken, und, ob sie noch immer dagegen sind.

Durch den „Meister“ erfahre ich, wie er mit seinen ortsansässigen Grünen Parteifreunden Putin besänftigen möchte, und wann seine nächste Grünen-Demonstration ohne eigene Kosten durch Finanzierung vom Steuerzahler zwischen der Siegessäule und dem Brandenburger Tor eine gleichzeitige Friedens- und Anti-Corona-Impfungs-Bekundungsorgie stattfinden wird.

Sorgen mache ich mir lediglich darüber, inwiefern das alles für mich von Nutzen sein soll, und wie der Berliner Senat die „Meile“ von Müll und menschlichen Exkrementen hinterher befreien wird.

Das Impfen betrachten meine Besucher als Massenhysterie, die der böse Kapitalismus erzeugt, damit die Pharma-Industrie noch mehr verdienen kann, als sie jetzt schon verdient.

Putins Aggression stehen sie – wie sie sagen – neutral gegenüber. Die USA tragen sowieso an allem immer die Schuld.

Ich überlege, wovor ich als Abergläubischer Angst haben muss:

„Es ist Freitag der 13. Wovor hast du Angst?“ –
„Vor Montag, dem 16.“

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