Der Kalender und die Zeit – Betrachtungen zum Jahreswechsel

Wo ist all hie die Zeit geblieben?“ lese ich und höre ich die Leute immer wieder sagen.
Wie Recht sie haben!
Auf die Frage „Wie war das Wochenende?“ antworte ich stets: Welches Wochenende?“
Um auf die Unerbittlichkeit der so schnell fortschreitenden Zeit hinzuweisen.
Was gibt es Schlimmeres außer quälender Ungewissheit in die Zukunft als aus dem Augenblick des süßen Verweilens , des geruhsamen Genießens herausgerissen zu werden?


Natürlich hat die Zeit ihren Sinn, ihre Bedeutung.
Wir schulden den Gesetzen des Universums unser Leben und – die Schönheiten und wundervollen Momente, die dieses Leben uns bietet.
Was der Zeit fremd ist, sind vier Wörter, die aus dem Deutschen als e i n Wort keine Sprache der Welt noch zu bieten hat:
Geborgenheit,
Behaglichkeit,
Gemütlichkeit,
Verweilen können.

Wer das halbvolle dem halbleeren Glas vorzieht, freut sich über das Wort des genialen Lyrikers und Romanciers Hermann Hesse:

„In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Und heiter soll man Raum um Raum durchschreiten,
der Weltgeist will uns Stuf‘ um Stufe weiten…“

„Rosch“ heißt „Anfang“ und kommt aus dem Jiddischen. Der „gute Rutsch“ soll also ein guter Anfang sein, den man sich zum Jahreswechsel gegenseitig wünscht.
Den Tag Silvester haben wir dem Papst Sylvester zu verdanken, der am 31.12.335 in Rom verstarb.
Erst im Januar 1691 bescherte uns der Papst Innozenz XII. nach dem Julianischen Kalender von 10 Monaten den „Gregorianischen Kalender“ mit 12 Monaten.
46 vor Christi wurde der 1. Januar offiziell als Beginn des Jahres als Neujahrstag eingeführt.
Und dann ist da noch das „Schaltjahr“. Ohne dieses geht die Rechnung nicht auf. Also bleibt eine Unregelmäßigkeit.
Ein bisschen Spekulation lässt zu, dass die Erde sich durch ihr „inneres Schwappen“ , also ihr eigene Unwucht (innen gasförmig, weiter nach außen flüssig und dann außen fest) immer langsamer um ihre eigene Achse und auch um die Sonne drehen wird). Das Hantelsystem mit dem Mond (eine Art kaum wahrnehmbares „Schleudertrauma“) kommt als Effekt noch dazu.
So ist der Kalender in ferner Zukunft bestimmt nichts absolut Verlässliches, Bleibendes.
Machen wir uns aber keine Gedanken.
Freuen wir uns über günstige Horoskope, auf und über Feiertage, die unser Leben auch im wahrsten Sinn des Wortes versüßen werden.
Wenn da bloß die verflixte Umstellung der Uhren nicht wäre!
In allen Zimmern einer Wohnung befinden sich Uhren, selbst im Auto und in der Garage.
Diese gilt es jedes Mal, umgestellt zu werden. Ein Zeitaufwand, den keiner so recht haben will.

Und dann gibt es ja die Zeitzonen. Während Sidney schon das neue Jahr feierte, bereitete Frau Müller in Deutschland den Heringssalat, und in Amerika tranken sie Kaffee.
Samoa und Hawaii sind die letzten, die dran kommen mit Neujahr. Da werden auf Bali schon die verbrannten Feuerwerkraketen von der Straße gefegt.

Bleiben wir trotz allen hektischen Trubels der Vorbereitungen für die Feste gelassen.
Gelassenheit, Humor, idealistische Einstellung wie Kants Kategorischen Imperativ und Vorbildfunktion in unserer Gesellschaft helfen, uns gegen Nichtigkeiten, Pöbeleien, Beleidigungen , hochgefahrene Unsachlichkeiten , Vorurteile und Mangel an gutem Ton kleine Probleme des Alltags zu bewältigen.
In Hermann Hesses Weltgeist und in der Geschichte unserer nicht die von Menschenhand gemachten Welt erkennen wir, dass sich das Leben lohnt und uns immer wieder aufs Neue Freuden bereitet!
Wie sagte Heinz Rühmann mit 90 auf der Bühne vor Millionen Zuschauern?
„Es hat alles einen tiefen Sinn!“

Trotzdem:
Ach, könnten wir nicht hundert Jahre jung bleiben, kein Pflegefall werden und dann sterben?

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