Schwäbischer Sprachführer

Als Herr Schobermann noch Auto fahren konnte, hatte er in einem heißen Mückensommer, lange  vor Corona¹), in Schwaben zu tun. Sein Auto streikte. Er hielt einen Autofahrer an, bemüht, als Einheimischer zu gelten: „Tät se mi mitnähme?“ „Ha noi! Ha no!“ (Mir doch wurscht!- Dann aber:) „No, do steige Se halt ei! „Wo welle Se denn hi?“ „Nach Maichinge! Sind Se so freundlich!“ Des kenn i! I fahr‘ obe nur nach Stuegard!“ „Macht nichts! Von dor aus giebsch e Bähnle!“

Im Gemeinschaftsraum der Gästepension, die Herrn Schobermann empfohlen worden war, tauchte eine kesse Sechsjährige auf und wuselte um ihn herum. „Willst du denn noch net schlofe gähe?“ wurde sie von ihm gefragt. „Noi, i bin net mied‘!“ (Reicht ihm einen Bonbon):“Willste auch e Guzzele?“ „Gern!“ (Man kann doch einem Kind einen Bonbon nicht abschlagen, selbst, wenn er schon lange ausgewickelt ist.)  (Nach einer Weile): Duhu! Du sollst’s Guzzele net gnagge, du sollst es schlotze!“ ²)

Schobermann war total perplex. Der Wirt kam herzu, schickte das kleine Mädchen weg und führte Herrn Schobermann aufs Zimmer. Wieder war Schobermann bass erstaunt: „Do hats ja 1000 Bludflegge an der Wand  von tote Schnooge!“ (Später, so nahm er sich vor, möcht‘ i awwer mei Geld zurück für das Zimmer. Oder mei Frau un i, mer glage.) „Im Sommer isch des normal! Se müssen’s jo net nähme!“ „Henn Se denn e Kinnerbettle? Meine Frau kommt mit dem Kindle morge nach.“ „Jo, des koscht awwer extra!“ „Noi, mir brauche kei extra Kinerbettle. S’Buzzele derf bei uns im Gräbele schlofe.“ (eigentlich  jo, aber das koscht ja extra)

„Was henn Se denn? Se laufe ja ganz verquer!“ „I han iberall Euderpäbbele (Eiterbläschen). Un mei Brodese drückt do hinte saumäßig!“ „Derf i Inne was anbiede?Mer hen Bibbelesgääs ³) un Schäufele 4) vorrätig. Koscht awwer extra.“ „Noi, e Bräzele tut’s eu!“ „Die Bräzle sin awer bissele doiged (weich)! Abbroche, e Budder auf, isch gued für’n Magen!““ „Macht nichts! Un e Läwerkäs dazu, awar worm!“ „Hemmer nich! En Schwäbischer Ochsemaulsalat mit Zwiebelring‘ drauf, zu empfehle!“

„Un, sind Se hier allei?“ „Mei Son, dene Schnuffel, hats bräzelt auf der Serpentine mit’n  Motorrad.Er hänn e Bägle  hätt!“ 5) „Aber Ihr‘ Frau…“ „Noi,  mir’sch mei Alde durchgange mit’n Italiener. Einfach abgehaue isch se! Se war scho immer sehr gesällig! So isch’s Lääbe! Mer macht ebbes mit!“  „Warum?“ „Sie häd’s halt braucht!“ „Möchte Se vielleich noch e Kaffee?“ „O jo, wenn’s nichts kostet!“ „Morge isch Rääge angesagt!“ „O jo, mer schmeckt’s bereits jetzt scho am Kaffee!“ „E guud’s Nächtle!“ „Jo, also dann bis morge!“

Anmerkung:
1)  eine lang anhaltende tückische Epidemie, seit dem Anfang der Zwanziger-Jahre    eine Geißel der Menschheit
2)  lutschen
3)  eine Art Kräuterquark
4)  eine Art Kassler-Stück, geräuchert, zum Kaltessen
5)  ein Schwips haben, eigentlich schon betrunken sein

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