Betrachtungen über das Sterben, die Bestattung und Beisetzung

1.Bestattungsarten in der Welt, früher und heute, März 2022:

Holzsarg und Erdbestattung waren einmal; die Vielzahl der heutigen Bestattungsmöglichkeiten ist groß. Es gab und gibt verschiedene Arten der Bestattung.

1. Die Erdbestattung ist die wohl traditionellste Beisetzungsform in Deutschland.

2. In Deutschland kann man unter der Aktion „Friedwald „ bereits einen Baum zu Lebzeiten „kaufen“, unter dem später die Urne mit der Asche des Käufers vergraben wird. Am Baum ist das Namensschild des Beigesetzten befestigt.

3. Einäscherung des Toten und Bewahrung der Asche in einer Urne, die beigesetzt wird. Bei den „Anonymen Bestattungen“, die preiswerter sind, gibt es einen bestimmten Platz auf dem Friedhof, auf dem die Namen der Verstorbenen nicht verzeichnet sind. Auchbei den Schildern oder auf einem Stein namentlich gekennzeichneten Urnenbestattungen erlischt nach einiger Zeit das Anrecht auf einen Platz auf dem Friedhof.

(Bei einer Seebestattung kommen später die „Überführungskosten“ für die Urne und die damit verbundenen Verwaltungsaktionenwie Beurkundungen dazu.)

4. Im England und im Amerika der Anglikanischen Kirche gibt es vielerorts zwei Trauerfeiern bei einer Einäscherung in einer zweiten Kirche mit anschließendem Buffet-Essen und Stout Beer auf schweren Eichentischen in einem davon entfernt liegendem Pub. Stout ist Pflicht! [Allgemeines, verbindliches „Cheers!“]

In der heimischen Kirche findet die erste Trauerfeier statt. Zu einem entfernt liegenden Krematorium trifft man sich per organisiertem Auto-Konvoiwieder in einer zweiten Kirche, nämlich der integrierten Krematoriumskirche zu einer zweiten, weiteren Trauerfeier.
Dabei erlebt man während der Gottesdienstzeremonien mit, wie der Sarg automatisch hinter einem Vorhang durch eine Eisentür in den Ofen geschoben und die Tür mit einem lauten metallenen Geräusch geschlossen wird. Bei jedem Gesang stehen alle auf (bis auf die Behinderten], und setzen sich beim Wechsel vom Gesang mit Orgelbegleitung zum Gebet. Durch die Häufigkeit des Aufstehens und des Hinsetzens wurde der Autor an das international beliebte Gesellschaftsspiel „Laurentia“ erinnert.
Nach Beendigung der Feierdurch einen zweiten, bis dahin unbekannten Reverend, wird jeder Besucher per Handschlag mit einigen salbungsvollen Worten verabschiedet. (Wie es während der Corona-Ära mit dem Handschlag und den Personen-Abständen war, weiß der Autor nicht. [Siehe auch: maulwurfstrategien.de –Georg und der Drachen]

5. Wer von der Erde genug hat, kann sich nach seinemreck Tod auf den Mond oder gar komplett in die Weiten des Weltraumes schießen lassen. Von „einmal hoch und zurück“ bis hin zum One-Way-Ticket im Sinne eines “Auf Nimmerwiedersehens“ gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ab 2.500 Dollar kann man bei einer amerikanischen Firma seinen letzten Flug buchen.

6. In Ghana gibt es Särge der anderen Art: Die dortigen Sargbauer erschaffen Unikate, die einen wichtigen Aspekt des Verstorbenen symbolisieren. Kuh, Bierflasche, Ananas oder Auto: Das Motiv des Sargs betrifft einen Lebensteil des Menschen, den Beruf oder eine Leidenschaft zum Beispiel. Ein Sarg kostet rund 400 Dollar, das entspricht dem durchschnittlichen Jahreseinkommen in Ghana.

7. Die „buddhistische Himmelsbestattung“ ist vor allem in Tibet üblich. Hierbei werden die Leichen Verstorbener von Bestattern zerteilt, um anschließend Aasgeiern zum Fraß vorgesetzt zu werden. In der buddhistischen Lehre stellt der Tod den Übergang zum nächsten Leben dar. Diesem Glauben nach trennt sich die Seele des Verstorbenen schon Tage vor der Bestattung von dessen Körper.

8 . Fußballfans können ihre Liebe zu ihrem Verein mancherorts sogar mit ins Grab nehmen. Eine Beisetzung als Urne hinter der Torlinie oder die eigene Asche verstreut auf dem heiligen Rasen: Die Möglichkeiten sind vielseitig. Vereine wie Manchester United, Ajax Amsterdam oder der FC Barcelona bieten bereits Fanbestattungen an .In Deutschland existieren bisher nur Fan-Friedhöfe, wie zum Beispiel in Hamburg oder auf Schalke.

9. In China existierte einst ein Volk, das seine Toten nicht begrub: Die hängenden Särge von Bo zeugen von einer Begräbnisart, in der die Verstorbenen mit ihren Särgen an Felswänden aufgehängt wurden. Mit Seilen wurden die Särge an den Klippen befestigt. Das Volk der Bo war in der chinesischen Provinz Sichuan beheimatet.

10. Eine besonders exklusive Bestattungsart ist die sogenannte Diamantbestattung. Aus der Asche des Verstorbenen können Diamantengepresst werden. Diese können sich Angehörige in Schmuckstücke setzen lassen. Je nach Größe des Steins muss bei einer Diamantbestattung mit Preisen im niedrigen fünfstelligen Bereich gerechnet werden.

11. Eine brutale Bestattungstradition hatte das Volk der Dani, das in Papua-Neuguinea beheimatet ist. Fingeramputationen waren fester Bestandteil der Trauerphase. Verwandten Frauen und Kindern des Verstorbenen wurden nach dessen Tod die Finger abgetrennt. Damit sollten Geister besänftigt werden. Heute ist diese Tradition weitestgehend verboten.

12. Die Seebestattung. Die Asche wird in einer Urne ins Meer versenkt. Mit berechneten Koordinaten werden eine Seekarte und eine Urkunde gefertigt. Boots- und Schiffsfahrten zu diesem Ort werden organisiert von einer Schiffsreederei und nach Belieben durchgeführt.

Nach dem Einäschern am Bestattungsort und der „Überführung“ der Asche des Verstorbenen wird die Urne nach Travemünde überführt. Dort gibt es inzwischen sechs Reedereien, die in einem Festakt mit Musik und einer Festrede an Bord hinaus aufs Meer fahren. Getränke wie Wein, Sekt und Bier sowie Fischbrötchen, aber auch Kaffee und Kuchen können an Bord erworben werden. Angehörige des Bestatteten können sich jederzeit zu weiteren organisierte Gedenkfahrten immer wieder neu anmelden. Auch diese Fahrten sind musikalisch und mit Poesie und Reden begleitet. Dafür wird von der Reederei extra ein Conferencier verpflichtet.

13. Die Bestattung in einer Familiengruft ab einer gesetzlich festgelegten Grundstücksgröße darf mit behördlicher Genehmigung in Österreich und in einigen Ländern durchgeführt werden, egal, ob in einem Holzsarg, einem steinernen Sarkophag oder in einer Urne.

14. In einigen Ländern wird die Asche lose über einer Landschaft von einem Kleinflugzeug aus ausgekippt. So etwas geschieht illegal. (inoffiziell, ab 400 € umgerechnet)

15. Einige Naturvölker wie Indianerstämme hängten früher ihre Verstorbenen einfach so in Bäume. Das wird heute als barbarisch und pietätlos betrachtet und ist daher verboten.

16. Auf der Iberischen Halbinsel, in Süditalien und Griechenland werden die Urnen in Mauernischen eingemauert; die Nischen sind außen durch Kerzen in einer durchsichtigen Plastik-Hülle, (auch künstlichen) Blumen und kleinen Statuen geschmückt.

 

2. Redewendungen I

Es gibt eine Menge witzige und komische umgangssprachliche Redewendungen über das Sterben, die Bestattung und Beisetzung, einige respekt-, takt- und pietätlos.

Jedoch gibt es sie, und wir können sie nicht wegzaubern. Sie gehören nun einmal wie alle anderen, die es vom Thema her leichter haben, zur deutschen Sprache. Andere Sprachen stehen uns dabei in nichts nach.

Das letzte Hemd hat keine Taschen

…hat abgenippelt / …ist abgenippelt

…wurde abberufen

…hat sich ganz klammheimlich davon gemacht

…hat sich einfach vom Acker gemacht

…hat ins Gras gebissen

…ist (von uns) gegangen (engl.:“is gone“]

… hat den (letzten) Löffel abgegeben

…kann sich nun die Radieschen von unten besehen

…hat sich zur letzten Ruhe begeben

…wollte mal dem Tod ganz gelassen ins Auge sehen

…ist noch mal dem Tod von der Schippe gesprungen

…hat es nicht geschafft, dem Tod von der Schippe zu springen.

…hat dem Tod ein Schnippchen geschlagen

….hat das Zeitliche gesegnet

… das Lebenslicht wurde ausgeblasen

 

 

3. Witz

„James, wie viel fahren wir?“

„10 (miles/hour), Mylord !“

„Legen Sie nochfünf drauf. Ich möchte dem Tod gelassen ins Auge sehen!“

 

 * * * *

 

4. Bestattung in Stelle / Niedersachsen

1997, vom Autor (Schwiegersohn) selbst erlebt:

Der Bestatter kam mit einem schwarzen blitzenden Daimler und einem Aktenordner in einer übergroßen Aktentasche aus Nappaleder ins Haus und blätterte den Katalog mit Sargmodellen vor allen Familienmitgliedern auf.

Eine Feuerbestattung war vorgesehen.

Er eröffnete seine Worte mit dem Hinweis:

„Wir Insider… (Dieses Wort sprach er mit pathetisch eingelegter Pause so, als ob er sich die Nase zugehalten hätte), „…wissen, was wir unseren lieben verstorbenen Angehörigen schuldig sind!“

Alle saßen in gemütlicher Kaffeerunde am großen ovalen Tisch im Wohnzimmer.

Ein Schnaps wurde dazu gereicht, für die Damen ein Likör, für die Herren ein Kräuterbitter.

Der Bestatterverwies auf einen sehr teuren, exklusiv mit Messingbeschlägen und sechs Henkelgriffen ausgestatteten massiven schweren Eichensarg hin. „Das ist ganz was Gutes, da werden aber Ihre Trauergäste Augen machen!“- Peinliche Pause, Stille.

„Na ja, ganz billig ist der nicht!“ fügte er nach kurzer Zeit hinzu, während der schwere Ordner von Hand zu Hand herum ging. „Ich lasse Ihnen den aber für schlappe 3600 D-Mark! Das ist so gut wie geschenkt!“

Ein Familienmitglied erlaubte sich die Frage [der Autor war’s nicht, der war zu feige dazu]: „Gibt es nicht was im Angebot?“ (So hätte der Autor nicht gefragt Er hätte liebend gern gefragt: „Gehen Apfelsinenkisten, später auseinander geschachtelt, nicht auch? Dünne Fichtenholzbretter brennen doch auch!“)

Der Bestatter, entrüstet:

„Ist Ihre Mutter das gute Stück nicht wert?“

Wir nahmen den teuren Sarg.

 

5. Redewendungen II

Ein bisschen Sprache macht sogar bei diesem ernsten Thema Spaß. Dafür sorgen Redewendungen: So stirbt man s t a n d e s g e m ä ß.

Hieran kann man sehen, was abgewandelte Verben in der Redewendung bewirken:

Der Gärtner beißt ins Gras.

Der Maurer springt von der Schippe.

Der Koch gibt den Löffel ab.

Der Turner verreckt.

De Elektriker trifft der Schlag.

Der Pfarrer segnet das Zeitliche.

Der Spachtelfabrikant kratzt ab.

Der Schaffner liegt in den letzten Zügen.

Der Beamte entschläft sanft.

Der Bauer holt den „Schnitter mit der Sense“.

Der Religiöse muss dran glauben.

Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke.

Der Gemüsehändler sieht sich die Radieschen von unten an.

Der Fechter springt über die Klinge

Die Putzfrau kehr nie wieder.

Der Anwalt steht vor dem Jüngsten Gericht.

Der Autohändler kommt unter die Räder.

Der Kfz-Mechaniker schmiert ab.

Der Förster geht in die ewigen Jagdgründe ein.

Der Gynäkologe scheidet dahin.

Der Dachdecker und der Schornsteinfeger erbleichen. [die Schornstein-Blei-Kehlen]

Der Rabbi geht über den Jordan.

Der Optiker schließt für immer die Augen.

Der Eremit wird heim gerufen.

Der Tenor hört die Engelein singen.

Der Spanner ist weg vom Fenster.

Der Azubi¹) sagt pietätlos pragmatisch salopp: „Sense! Hat abgenippelt!“

** *

¹) jugendlicher Auszubildender (Abk.)

Ein ernstes Nachwort, das sich über allen Kommerz und die Hektik unserer Zeit erhebt:

Es wäre falsch, dem Respekt und der Verantwortung den Toten gegenüber keine Bedeutung beizumessen.

Zum einem sind wir das heute, was unsere Mütter, Väter und Vorväter für uns erkämpft, gelitten und geleistet haben.

Eine andere Betrachtung ist die Wichtigkeit der Totenruhe.

Von den Naturvölkern hat die Menschheit gelernt, dass im Gedenken und dem Dialog

mit dem verstorbenen Menschen, der uns einmal etwas bedeutet hat, die eigene Seele besser Frieden finden kann, als wenn es keine Stätte der inneren Einkehr, Erinnerung und des Gedenkens mehr gäbe.

Welche innere Ruhe, welcher Seelenfrieden überkommt mich in der Stille eines Friedhofes  und  bei einem Gottesdienst in einer Kirche!

Ohne beides, eine lokalisierte Grabstätte und die Religiosität, würde unsere Seele verarmen, hätten unsere ethischen Werte keinen Bestand. Dann würde letztlich alles in Kriegen und im Chaos enden.

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